'Wenn ich wüsste, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten.'

- Pablo Picasso

DAS PORTRAIT ZU ZEICHNEN - EINE HERAUSFORDERUNG

Wer das Portrait eines Schauspielers, eines Musikers oder gar eines Freundes oder Familienmitgliedes nach einem Foto zeichnen möchte, muss sich einer Herausforderung stellen, an welche viele Hobbykünstler gar nicht erst denken: Man muss lernen, richtig zu sehen. Was damit genau gemeint ist? Oftmals haben Menschen vorgefasste Meinungen und Vorstellungen bzgl. der Dinge, die sie mit ihren Augen betrachten - eine Vorgehensweise der Natur, ohne welche der Alltag auch kaum zu meistern wäre, denn eine bewusste Wahrnehmung und Verarbeitung aller eingehender Informationen würde auf Dauer zu einer Reizüberflutung führen, mit welcher der Mensch vollkommen überfordert wäre. Doch selbst wenn diese Strategie im Alltag nützlich oder gar überlebenswichtig sein mag, während des Zeichens erweist sie sich als fatal: Ein Künstler, der eine Nase zeichnen möchte, geht vielfach von Vornherein mit den Vorstellungen und Eindrücken ans Werk, die er bzgl. des Aussehens einer Nase hat. Je nach Kopfhaltung des Modells zeichnet er eine gebogene Linie für den Nasenrücken, dazu wird womöglich noch die Spitze der Nase eingezeichnet, und auf keinen Fall dürfen die Nasenflügel vergessen werde, die ebenfalls mit weich geschwungenen Linie gezeichnet werden wollen – und am Ende hat man ein Konstrukt vor Augen, das zwar die Form der Nase haben mag, welche man als Vorbild genutzt hat, aber dennoch scheint die Zeichnung auf eine seltsame Art unnatürlich und künstlich zu wirken. Egal, ob man mit Kohle, Graphit, Acryl, Öl oder Aquarell malt, stets will einem nicht gelingen, dass die eigene Kunst eine Qualität besitzt, die auch nur annährend vergleichbar ist mit den Werken von professionellen Portraitmalern. Woran das liegt?

DIE DETAILS MÜSSEN WÄHREND DES ZEICHNENS BEACHTET WERDEN!

Zuerst einmal sind es die Details, die man beim Zeichnen beachten muss: Kleine Schattierungen beispielsweise auf dem Nasenrücken geben einen wesentlichen Aufschluss über die Form der Nase, während kaum sichtbare Fältchen beispielsweise an der Nasenwurzel den Menschen charakterisieren und Aufschluss darüber geben, wie alt er ist und auf welche Art er lacht – diesen Nuancen muss während des Zeichnens eine hohe Priorität eingeräumt werden, damit das gezeichnete Portrait realistisch und Ausdrucksstark wirkt. Zudem muss ein weiterer Aspekt beim Zeichnen beachtet werden, der insbesondere von Anfänger vollkommen unterschätzt wird: Linien und harte Kanten sollte äußerst rar gezeichnet werden, da sie in der Realität selten vorkommen und extreme Kontraste darstellen. Während des Zeichnens ist darauf zu achten, die Form des Modells durch Schattierungen und Farbverläufe zu gestalten. Man sollte immer im Hinterkopf behalten: Man zeichnet das menschliche Gesicht nicht durch Linien und Kanten, vielmehr zeichnet man das menschliche Gesicht durch Schattierungen und Farbverläufe. Wer beispielsweise eine Nase zeichnen möchte, darf keine Linien nutzen, um die Form anzudeuten, sondern es müssen Schattenflächen angelegt werden, welche die Form und das Volumen der Nase darstellen. Eine Vorgehensweise, die im ersten Moment schwierig erscheinen mag – aber im Grunde kann sie von jedem relativ einfach umgesetzt werden: Denn während des Zeichnen muss lediglich auf das geachtet werden, was der Künstler sehen kann. Wer sich einzig an das hält, was das Modell faktisch visuell hergibt, wird Konturen nur spärlich durch Linien darstellen, sondern sie werden vielmehr durch Schattenflächen während des Zeichnens wie durch Zauberhand herausgearbeitet. Wer diese rudimentären Dinge während seines Zeichnens und Malen beachtet, wird Ergebnisse erzielen können, welche im Freundes- und Bekanntenkreis beeindrucken werden.

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